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Mein Start als Personal Trainer: Interview mit einem Talent- und Karriere-Coach

Es gibt Momente im Leben, da weiß man einfach, dass ein anderer Job viel besser zu einem passen würde. Für die Veränderung braucht man neben der Erkenntnis noch Fleiß, Mut und Umsetzungsstärke. Bardo Tschapke ist für mich einer der inspirierenden Menschen, der diese Eigenschaften mitbringt, weshalb der Karrierewechsel bei ihm zu einem großen Erfolg wurde.

Viel Freude beim Lesen!

 

 

Ghaya Hachani: Hallo Bardo, vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Du hast vor einigen Jahren einen interessanten Karriereschritt vom Vertriebsmitarbeiter im Anzug zum Personaltrainer und Geschäftsinhaber gemacht. Kannst du uns erzählen, was dich zu diesem Wechsel bewegt hat?

 

Bardo Tschapke: Hallo Ghaya, sehr gerne. Der Wechsel vom Vertrieb zum Personal Training war für mich eine logische Entwicklung, wenn es darum geht seinen Stärken und Interessen zu folgen. Nicht umsonst heißt es: Tue was Du liebst und Du wirst nie wieder im Leben einen Tag arbeiten müssen. Ganz so ist es natürlich nicht, aber ein großer Unterschied dazu, ob man eben als sportbegeisterter Mensch im Büro arbeitet oder seine Leidenschaft zum Beruf macht.

Meine Mutter hat viel Wert auf eine ausgewogene Ernährung gelegt, so war es selbstverständlich, natürliche Lebensmittel zu essen. Darüber hinaus fehlte in meinem Leben allerdings die Struktur. Später habe ich diese vor allem durch vollwertiges Essverhalten und tägliches Training in mein Leben integriert.

Während des Studiums kam es vor, dass Kommilitonen mich beim gemeinsamen Einkaufen “Hase” nannten, weil das Band des Kassentischs voll mit Gemüse war. Vor und nach der Arbeit zu trainieren und drei mal am Tag unverarbeitete, nährstoffreiche Lebensmittel zu essen, hatte immer erste Priorität. So kam mir irgendwann der Gedanke, dass ich anderen dabei helfen könnte, dieses Verhalten in ihren stressigen Berufsalltag zu implementieren.

Zum Wechsel kam es vor allem durch meine wachsende Unzufriedenheit. Ich bin ein Mensch, der nicht durch extrinsische Motivatoren, wie bspw. Jahresgehalt Ambitionen entwickelt. Ich benötige intrinsische Reize; ich wollte gut sein in dem, was ich mache. Letzten Endes habe ich lediglich das Produkt bzw. die Dienstleistung, welche ich verkaufe, getauscht. Nur, dass ich jetzt dafür brenne!

Von außen betrachtet, war der Anfang ein Schritt zurück. Ich habe 400€ zzgl. staatlicher Unterstützung pro Monat verdient. Ich glaube, das ist der Unterschied, die Mehrheit wird hier zu verkopft an die Sache gehen. Ich folgte meinem Herzen. Durch meinen Job habe ich sehr viel mit Menschen und ihrer Gesundheit zu tun und es ist enorm, was Muskelaufbau-/ Krafttraining, das richtige Umfeld und ein Beruf, der zu einem passt, bewirken können!

 

Ghaya Hachani: Das klingt nach einer spannenden Veränderung. Wie bist du diesen Wechsel konkret angegangen?

 

Bardo Tschapke: Zunächst war ich schonungslos ehrlich zu mir und habe erkannt, dass ein Bürojob nicht das Richtige für mich persönlich ist. Zunächst habe ich einen Business Plan geschrieben. Der war allerdings eher dafür da, meine Gedanken zu sortieren und den Markt kennenzulernen.

Dann habe ich eine geeignete Ausbildung zum zertifizierten Personal Trainer gesucht. Ich wollte eine Ausbildung, die über einen langen Zeitraum und Vollzeit geht.

Die Finanzierung sollte das Arbeitsamt übernehmen, da ich keine Rücklagen hatte. Ich wollte keine Wochenendausbildung oder was nebenbei machen. Ich wollte so viel Input wie möglich. Also “all in”. Der Fokus galt ab jetzt nur noch dem Projekt Personal Trainer. Ich habe mich zu 100% committed.

Das war eine intensive Zeit des Lernens und der Vorbereitung. Der nächste Schritt war, Netzwerke aufzubauen und erste Kunden zu akquirieren.

Das Fitnessstudio Holmes Place Deutschland war dafür ein geeigneter Ort, da man hier als freiberuflicher Personal Trainer erste Erfahrungen sammeln und dabei schon etwas Geld verdienen konnte.

Aus meiner Zeit im Vertrieb wusste ich, wie wichtig es war, auf die Menschen zuzugehen. Sie kommen nicht zu Dir. Sie müssen wissen, was Du ihnen anbieten kannst und das musst Du ihnen zeigen. Hier habe ich mich, glaube ich, von anderen Kollegen unterschieden. Auch dass ich mir für nichts zu schade war. Ich hatte die schlechtesten Schichten: Ich startete früh am Morgen. Ich habe Geräte geputzt und Mitgliedereinführungen gemacht. Trotzdem war ich glücklicher als vorher.

 

Ghaya Hachani : Welche Herausforderungen hast du auf deinem Weg zum Personal Trainer erlebt und wie hast du diese gemeistert?

 

Bardo Tschapke: Eine der größten Herausforderungen war sicherlich der Übergang von einem eher verkaufsorientierten Beruf zu einem, der stark auf persönlicher Betreuung und physischer Arbeit basiert. Ich hatte hier fast gar keine Kompetenz. Trotzdem musste ich selbstbewusst sein und dem Mitglied einen Mehrwert bieten. Schließlich lag der Stundensatz bei rund 80€. Der Kunde hat bei mir übrigens nie weniger als 80€ die Stunde gezahlt. Viele Kollegen bieten Personal Training Stunden für 20-30 Euro pro Stunde an. Die meisten machen es als Nebenverdienst und unter der Hand. Bei mir war das nicht so.

Wenn jemand den Preis zu hoch fand, war ich zu schlecht. Kein Kompromiss. Es war wichtig, einen guten Ruf als kompetenter und vertrauenswürdiger Trainer aufzubauen. Ich habe mich auf Weiterbildungen fokussiert und kontinuierlich Feedback von meinen Kunden eingeholt, um mich stetig zu verbessern.

 

Ghaya Hachani: Wie haben deine bisherigen beruflichen Erfahrungen im Vertrieb dir in deiner neuen Rolle als Personaltrainer geholfen?

 

Bardo Tschapke: Vor allem meine Zeit in der Kaltakquise hat mir gelehrt, einem Menschen etwas zu verkaufen, was er eigentlich nicht vorhatte zu kaufen. Die Kundenbindung funktioniert im 1:1 Coaching eigentlich von ganz allein. Ich glaube, dass Authentizität hier das Wichtigste ist. Mir war immer klar, dass ich nicht alles weiß und nichts “schwarz, weiß” ist. Mir war nur wichtig, dass ich alle vermittelten Trainings- und Ernhährungsinhalte mit dem aktuellen Wissensstand begründen konnte. Ich hatte nie den Anspruch alles sofort zu wissen. Der Kunde hat das gemerkt und mir deswegen vertraut. Authentizität heißt auch, dass ich voll und ganz hinter meiner Dienstleistung stehe.

Ich halte sehr viel von Personal Training und habe früher selber gerne in Personal Trainer investiert, obwohl ich es mir eigentlich nicht leisten konnte. Wenn Du selber begeistert bist von Deinem Produkt, dann kannst Du das auch verkaufen. Selbstverständlich sind das Verstehen von Bedürfnissen und die Fähigkeit, maßgeschneiderte Lösungen zu bieten, Fähigkeiten, die im Vertrieb wie auch im Personal Training unerlässlich sind. Durch mein BWL Studium wusste ich, wie wichtig die Vermarktung ist. Ich habe von Anfang an eine Homepage gehabt und auf Instagram gepostet. Ich habe meine Kunden gebeten, Bewertungen zu schreiben, wenn sie es nicht von selbst getan haben.

 

Ghaya Hachani: Welche Tipps würdest du anderen geben, die einen ähnlichen Karrierewechsel in Betracht ziehen?

 

Bardo Tschapke: Mein erster Tipp wäre, sich wirklich darüber klar zu werden, was einen antreibt und begeistert.

Wenn du eine Leidenschaft für etwas hast, fällt es dir viel leichter, die nötige Energie und Zeit zu investieren. Dann solltest du dich gut informieren und die notwendigen Qualifikationen erwerben. Es ist auch wichtig, Geduld zu haben und sich kontinuierlich weiterzubilden.

Das Wichtigste: Sei offen und tolerant. Suche den Austausch. Probiere aus. “Stay hungry”.

So klappt es dann übrigens auch mit dem Netzwerken in der Branche, was entscheidend sein kann. Und schließlich: Hab keine Angst vor dem Neuanfang – es kann unglaublich bereichernd sein, sowohl persönlich als auch professionell.

 

Ghaya Hachani: Vielen Dank, Bardo Tschapke! Du hast mit Deiner Erfahrung sicher viele Menschen inspiriert und zum Nachdenken gebracht.

Ghaya Hachani ist Interim HR & Talent Acquisition Manager. Als IACC zertifizierter Career Coach hat sie über ein Jahrzehnt Erfahrung im Recruiting/HR-Management.

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